Ertrinken Teil 1

Schere, Stein,… Brunnen? Was soll das?

Ertrinken scheint kein häufiges Notfallbild darzustellen. Überhaupt denkt man beim Thema Ertrinken an ferne Gewässer und Küstengebiete.

Wenn man sich jedoch in seinem Umfeld umhört, stellt man schnell fest, dass jeder, nicht nur eine Geschichte berichten kann, von einem Freund, einem Angehörigen oder von sich selbst, bei der es sich um einen Ertrinkungsnotfall gehandelt hat.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal, im Juli diesen Jahres mit 133 Toten hat uns in schockierender Weise vor Augen geführt, wie schnell und unvermittelt, auch hierzulande, die eigene Existenzgrundlage und sogar das Leben selbst, einfach weggespült werden kann.

Laut WHO ertrinken Weltweit jährlich 372.000 Menschen, davon 37.000 in europäischen Regionen.

Als Todesursache, trifft Ertrinken vor allem Länder mit geringem und mittlerem Einkommen aber vor allem Kinder, bei den 5 bis 14 Jährigen ist es die Zweit häufigste Todesursache.  

Und wenn man in die Statistiken schaut, so stellt man sich unvermittelt die Frage ob die 22.200 Flüchtlinge die seit 2014 im Mittelmeer ertrunken sind auch in den Zahlen abgebildet sind.

Es würde nicht verwundern, wenn dies nicht der Fall wäre, denn Ertrinken ist ein leiser und einsamer Tod. Unbemerkt und langsam verschwindet man einfach von der Oberfläche.

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Eine überzeugende Interpretation der Kälte Schock Reaktion

Rettungsdienst FM – Karriere

Vom Rettungsingeneur zum BayZBE

Max Zeuch zu Gast

In unserer Folge zum 100 Jährigen Jubiläum der Bergwacht, konnten wir Max bereits als engagiertes Mitglied der Bergwacht kennenlernen.

In dieser Episode berichtet Max von seinem Studium zum Rettungsingenieur, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Sicherlich eine attraktive Möglichkeit, für alle die sich fragen, was denn sonst noch so an beruflicher Weiterentwicklung im Rettungsdienst möglich ist. Das Studium des Rettungsingenieurwesens ist breit gefächert und öffnet Türen in Bereiche, die man vielleicht zuvor nicht im Blick hatte.

Max führte seine Bachelor-Arbeit zu seinem heutigen Arbeitgeber, dem „Bayrischen Zentrum für besondere Einsatzlagen“.

Was es mit diesem Zentrum auf sich hat und welche besonderen Einsatzlagen gemeint sind, dass erfahrt ihr in dieser Folge.

Quellen

https://www.haw-hamburg.de/studium/studiengaenge-a-z/studiengaenge-detail/course/courses/show/rettungsingenieurwesen/Studieninteressierte/

https://de.wikipedia.org/wiki/Rettungsingenieurwesen

http://www.rescue-engineers.de/

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In der Hitze der Nacht – Hyperthermie

Seid ihr auch in den letzten Tagen und Wochen einfach nur dahingeschmolzen? Mit vielen schweißtreibenden Wortspielen, die einem beim Hören die Ohren glühen lassen, melden wir uns pünktlich mit dem Thema Hyperthermie und hitzeassoziierten Krankheitsbildern zurück. 

Die immer häufiger werdenden Hitzewellen in Deutschland sind nicht nur Thema für Fridays for Future, sondern auch ein wichtiges Thema für unseren Beruf. Die Anzahl der Einsätze mit hyperthermischer Ursache erscheint erstmal gering, oder? Betrachtet man jedoch z.B. Einsätze mit älteren Patienten, die im Rahmen des demographischen Wandels zunehmen werden, so erscheint die Häufigkeit an Hyperthermie bedingten Einsätzen gar nicht mehr so gering; im Gegenteil.

Während Frank in dieser Folge wieder seine Hot Topics der Physiologie und Physik auspackt, schweift Julius gedanklich in die Badewelt ab. Das ist aber gar nicht mal so verkehrt, denn wer sich an die beiden Folgen zur Hypothermie erinnern kann, wird bereits wissen, dass das Thema Temperatur in Verbindung mit unserem Körper ein ziemlich komplexes, aber auch ein gleichzeitig sehr wichtiges und spannendes Thema ist!

Was geschieht denn im Körper, wenn einem die Hitze zu Kopfe steigt? Welche Gefahren drohen explizit bei hyperthermischen Einsätzen? Und vor allem die Frage aller Fragen: was tun, wenn (…)? Das und vieles mehr erfahrt ihr in dieser Folge.

Achja, noch etwas! An dieser Stelle soll der Mythos ganz offiziell gebannt werden: Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder Metamizol helfen nicht bei Hitze induzierter Hyperthermie!!! Gerngeschehen 🙂

Geschockt? Wer vorher noch ein Cool down braucht, kann sich auch erst noch(mal) die beiden Folgen über Hypothermie anhören – Viel Spaß!

Quellen:

https://www.erc.edu/

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Hitzebedingte Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis. AWMF-Leitlinien-Nr. 053-052. S1, Stand 2020. www.awmf.org

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-052.html

Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Arbeit unter klimatischer Belastung: Hitze. AWMF-Leitlinien-Nr. 002-039. S1, Stand 2012 (abgelaufen). www.awmf.org

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/002-039.html

https://www.amboss.com/de/wissen/Hitzschlag_und_Sonnenstich_-_AMBOSS-SOP

Inspiriert und Abgeschweift:

Rettung im Königreich – Teil 2

Es geht weiter. Von Marcus Yalman erfahren wir, wie der Rettungsdienst in Großbritannien finanziert wird.

Der Eine oder Andere dürfte in tiefe Depressionen verfallen, wenn er von den Arbeitsbedingungen im britischen Rettungsdienst erfährt. Da darf es dann gerne auch etwas hölzern sein.

COVID-19 ist auch in England nicht wegzudenken und Marcus musste ganz spezielle Erfahrungen mit dem Virus machen.

Rettung im Königreich – Teil 1

Mit etwas Verspätung kommt hier unsere neue Folge und diesmal wird es very british! Schnappt euch einen Gin, einen Earl Grey oder ein Ale, denn diesmal reden wir über den Rettungsdienst unter der britischen Krone. 

Wir begrüßen Marcus Yalman – früher Rettungsassistent in Deutschland, heute Specialist Paramedic in England – und mit ihm werden wir den britischen und den deutschen Rettungsdienst genauer unter die Lupe nehmen.

Doch was ist eigentlich genau ein Specialist Paramedic?

In England existieren seit 2019 drei Stufen des Paramedic: Consultant, Advanced und Specialist, in welche man nochmal eine Fachrichtung hinsichtlich Urgent Care, als auch Critical Care wählen kann. Marcus beispielsweise ist im Critical Care-Sektor Specialist Paramedic, sodass dieser vor allem dann auch zum Einsatz kommt, wenn besonders kritische Einsätze vonstattengehen: über die Hälfte der Einsätze sind Reanimationen, ein knappes weiteres Viertel stellen Traumata dar (gemäß den Zahlen aus 2020).

Doch wie unterschiedlich sind diese und wie entwickelt sich der britische Rettungsdienst in die Zukunft? Haben wir beide vielleicht ähnliche Strukturprobleme und können wir etwas voneinander lernen?

Aber ebenso für Sanis, die schon einmal daran gedacht haben, mal Englands Regelrettung am eigenen Leib erleben zu wollen, ist diese Folge etwas!

Hier erfahrt ihr nämlich auch, welche Anforderungen man erfüllen muss, wie britische Sanis arbeiten, wie diese ebenfalls ausgebildet werden, aber auch welche Aufstiegsmöglichkeiten man geboten bekommt. Was jedoch auch nicht fehlen darf: wie sieht denn eigentlich der Alltag dort aus? 

Somit ein all-inclusive-Paket in zwei Teilen mit dem hoffentlich nicht nur die Queen amused sein wird, sondern auch ihr! Viel Spaß beim Hören! 

Um einen Eindruck zu gewinnen eine Reality Doku der BBC.

100 Jahre Bergwacht

– Interview mit Max Zeuch –

Die Osterzeit steht uns kurz bevor und, unter normalen Bedingungen, stünde in diesem Zusammenhang auch der Skiurlaub in den Osterferien an. Wir haben uns unter anderem gefragt, was passiert, wenn in einem Gelände, wie den Bergen, medizinische Hilfe benötigt wird, weil  beispielsweise eine Lawine entstanden ist, oder wer einem zu Hilfe kommt, wenn man verloren ginge. Und so kamen wir diesmal dazu unsere Folge über die Bergwacht handeln zu lassen.

Gegründet wurde die Bergwacht im Hofbräuhaus München im Jahr 1920 und hat folglich vergangenes Jahr 100jähriges Bestehen feiern können. Dabei entsprach das Verständnis der Bergwacht ursprünglich einer Natur- und Sittenwacht und wurde als solches mit dem Ziel gegründet, wieder geordnete Verhältnisse einkehren zu lassen, nachdem, nach Ende des 1. Weltkriegs, u.a. Wilderei, Vieh- sowie Holzdiebstähle, als auch Hütteneinbrüche Überhand nahmen. Durch die Gründung dieser Organisation wollte man somit gewissermaßen primär die Natur wieder in seine Ursprünge zurückführen und allgemein auch vor dem Menschen schützen. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich die Organisation zum heutigen Bergrettungsdienst.

In diesem Zusammenhang erfahrt ihr in dieser Folge unter anderem: Was ist die Bergwacht, welche Aufgabe hat diese und wie ist diese organisiert? Wann übernimmt diese die Rettung und wo liegen die Grenzen zwischen z.B. Feuerwehr und Rettungsdienst und wie häufig wird die Bergwacht tatsächlich tätig? Was macht die Bergretter aus und was sind so „typische“ Bergwachteinsätze?

Wir hatten wirklich sehr viele Fragen und bekamen glücklicherweise von unserem Gast, Max Zeuch, seit nun fast zehn Jahren bei der Bergwacht im Frankenjura aktiv, Antworten darauf und konnten dadurch wirklich tolle Einblicke in ein doch eher, vom klassischen Regelrettungsdienst aus der Großstadt ausgehend, fern-liegenderes Thema erhaschen!

Vielen Dank an Max und viel Spaß beim Hören – und diesmal auch wieder beim Rätseln!

https://www.facebook.com/bergwacht.frankenjura

https://www.instagram.com/bergwacht.frankenjura/

Medical Intervention Car – Zwischenfazit nach 2 Jahren

Interview mit Niko Schneider – Teil 2

Auch der zweite Teil bleibt spannend.

Niko berichtet von echten MIC-Einsätzen und malt uns Bilder einer perfekten Rettungsdienstwelt in der Zukunft.

Was die Zukunft bringen wird, ist zwar nicht klar, aber das MIC-Projekt wird weitergehen und sicherlich seinen Platz in der Rettungsdienstlandschaft etablieren.

Auf diesem Bild sieht man zwei im positiven Sinne Verrückte.

Hier gehts zu Teil 1

Wie alles begann, erfahrt ihr hier …

Medical Intervention Car – Zwischenfazit nach 2 Jahren

Unterschätzter Game Changer?!

Interview mit Niko Schneider – Teil 1

Eine junge Frau fällt an der Supermarktkasse um und ist sofort reanimationspflichtig. Augenzeugen beginnen umgehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Obwohl RTW und NEF nach 6 Minuten vor Ort sind, verläuft die Reanimation frustran.

Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von Männern. Plötzlich zieht ein Beteiligter ein Messer und sticht es einem der Rädelsführer in die Brust. Dieser sinkt zu Boden und ist nach wenigen Augenblicken bewußtlos.

Ein Kleinkind zieht einen vollen Wasserkocher am Kabel herab und übergießt sich selbst Gesicht, Hals und Oberkörper mit kochendem Wasser. Bei Eintreffen von RTW und NEF schreit das Kind bereits nicht mehr und ringt pfeifend nach Luft. Die Mutter hält panisch kreischend ihr Kind umklammert und lässt keine Untersuchung zu.

Ein junger Mann kommt bei schlechter Witterung mit seinem PKW von der Straße ab und prallt mit der Fahrertür gegen einen Baum. Bei Eintreffen des NEF ist der eingeklemmte Patient kaltschweißig und grau und reagiert nicht mehr auf Ansprache.

Eine Angestellte ist alleine im Büro und stolpert mit einer Schere in der Hand. Als die Kollegen aus der Mittagspause zurückkehren, liegt die Dame nach Luft schnappend in einem See aus Blut.

Die angedeuteten Einsatzszenarien lassen sich in ähnlicher Art in der Presse wiederfinden. Und jeder der eine gewisse Zeit im Rettungsdienst arbeitet, kann auf vergleichbare Einsätze zurückblicken. Einsätze hochdramatisch, deren fataler Ausgang sich meist fast nicht mehr abwenden lässt.

Genau für u.a. solche Szenarien wurde das MIC-Projekt (Medical Intervention Car) in Heidelberg 2019 ins Leben gerufen. Um Patienten mit infauster Prognose, vielleicht doch noch zu retten.

Auch wenn das MIC-Projekt inzwischen doch einige beeindruckende Erfolge vorzuweisen weiß, so wird das Projekt bis heute skeptisch beäugt, ähnlich wie das erste NEF oder die Anfänge der Frühdefibirillation.

Wenn sich die nichtärztliche Ausbildung auch, allmählich, vom San B, über den Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter weiterenwickelt hat, so hat sich doch die notärztliche Ausbildung wenig weiterentwickelt. Bis heute gibt es im Rettungsdienst keinen Facharztstandard.

So bleibt der Rettungsdienst bis heute noch ein wenig wilder Westen, wo Machbarkeitsstudien wie das MIC-Projekt, ähnlich wie der unbekannte Fremde in Daisy-Town, nicht mit offenen Armen empfangen werden.

Wie steht es nun um das MIC nach bald zwei Jahren?

Wir sprechen mit dem Projektinitiator Niko Schneider.

Freut euch auf ein launiges Gespräch, mit einem der wirklich nicht müde wird, die gleichen Fragen immer wieder zu beantworten.

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/klinik-fuer-anaesthesiologie/ueber-uns/notfallmedizin/notaerztliche-taetigkeit/medical-intervention-car-mic

Teil 2 erscheint am 15. März, hier und überall wo es Podcasts gibt.

RettungsdienstFM goes international

Wusstet ihr, dass man Kiwis auch mit Schale essen kann? 

Diesmal sollte es aber nur indirekt um Kiwis an sich gehen, nämlich spezieller um den Kiwi-Rettungsdienst, hierfür haben wir Trisha Morrissey eingeladen, die uns aus dem Nähkästchen plauderte, wie man sich den neuseeländischen Rettungsdienst, vor allem im Vergleich zum deutschen Rettungsdienst, vorstellen kann, und auch, was sie am deutschen Rettungsdienst sogar teilweise besser findet; auch bezüglich der Ausbildung!

Trisha Morrissey hat ihr Paramedic-Diplom in Australien gemacht, hat später in Neuseeland gearbeitet, bis sie schließlich von Down Under fortging, um in Deutschland als NotSan und als Dozentin zu arbeiten. Aktuell konzipiert sie zudem ihren eigenen Englischkurs speziell für Rettungsdienstpersonal.

Hört rein in die neue Folge und erfahrt, wie Trisha es schafft, Frank und Julius in wahre Gefühlshöhen mit der Erwähnung des Flying Doctor zu versetzen und weshalb man neuseeländischen Sanis, ohne große Mühen, Schweißtropfen auf die Stirn zaubern kann, sobald man vor ihnen unsere heiß geliebte  Ketanest-Dormicum-Kombi erwähnt. 

Viel Spaß!

https://de.qaz.wiki/wiki/Emergency_medical_services_in_New_Zealand

Ordentlich Einheizen

Die Temperatur im Rettungswagen richtig zu regulieren ist ein Thema, das wenig Beachtung erfährt.

Die verbauten Heiz- und Kühlsysteme im RTW scheinen oft nicht ausreichend leistungsfähig; jedoch ist das nur die halbe Wahrheit.

Im Frühjahr und Herbst benötigt man oft keine Heizung, im Sommer hat man eher das Problem, dass es im RTW, trotz Klimaanlage, unerträglich heiß wird.

Wie wir im Verlauf sehen werden, können wir die Prinzipien zum richtigen Heizen auch auf den Sommer anwenden und nutzen, um richtig zu klimatisieren, und können sie sogar im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie anwenden.

Der menschliche Körper benötigt eine Umgebungstemperatur von 27unGrad, um seine Körpertemperatur aufrechthalten zu können. Darum stecken nackte Menschen oft mit jemanden unter einer Decke oder sie ziehen sich rasch etwas an, um nicht auszukühlen.

Grundsätzlich sollten wir deshalb in der kalten Jahreszeit im Rettungswagen eine Innenraumtemperatur von 28 ºC anstreben, was wir durch folgende Maßnahmen erreichen können:

  1. Standheizung/Heizverstärker einschalten.
    • Bei moderneren Fahrzeugen hat die Standheizung zwei Funktionen:
      1. Standheizung, d.h. heizen, wenn das Auto parkt.
      2. Heizverstärker, d.h. heizen, wenn das Auto fährt.
    • Die Standheizung geht bei vielen Modellen nach einer Zeitspanne von etwa 15 Minuten oder, wenn die Zieltemperatur erreicht ist (Thermostat), aus.
    • Der Heizverstärker ist nur bei laufendem Motor aktiv, oft wundern wir uns, dass das Fahrzeug anfängt zu stinken und zu qualmen, wenn wir das Fahrzeug kurz hintereinander ein- und ausschalten. Dieser Effekt wird von der Standheizung verursacht, da der Treibstoff in der Brennkammer nicht ordentlich verbrennt, sodass Rauch und Gestank entsteht. Wenn wir den Rettungswagen oft genug kurz hintereinander ein- und ausschalten, können wir die Standheizung beschädigen. In der Werkstatt heißt es dann, dass eure Standheizung abgesoffen ist.
    • Eine ordentlich funktionierende Standheizung qualmt und stinkt immer ein bisschen für kurze Zeit, danach macht sie Geräusche, wie ein startendes Flugzeug.
    • Grundsätzlich ist die Funktion Heizverstärker zu bevorzugen.
  2. Motor laufen lassen.
    • Wenn wir im Notfalleinsatz sind, sollten wir erwägen, bereits mit Eintreffen an der Einsatzstelle den Motor laufen zu lassen.
      • Auf einem RTW haben wir zahlreiche Geräte (das Funkgerät, Rescuetrack, etc.), die permanent Strom verbrauchen. Selbst die Standheizung benötigt Strom. Wir haben noch keinen RTW erlebt, bei dem nicht nach zwei Jahren mindestens eine der zwei Fahrzeugbatterien schlapp gemacht hat; am Liebsten im Winter. Ihr währt nicht die Ersten, bei denen das Auto nicht mehr anspringt, weil ihr die Standheizung habt laufen lassen.
      • Um sichergehen zu können, dass der RTW anspringt, lassen wir den Motor laufen. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn wir die Trage richten, sollte dies erfolgen, damit die Zeit noch reicht, um den Patientenraum zu heizen.
    • In Einsatzlagen, in denen ein Ausfall des Rettungsmittels nicht kompensierbar ist, z.B. schwerer Verkehrsunfall auf einer schmelzenden Eisscholle, schalten wir den Motor zu keinem Zeitpunkt ab!
  3. Einstellung im Führerhaus prüfen.
    • Es klingt unglaublich, aber manche RTW schaffen es nicht den Patientenraum zu heizen, wenn die Heizung im Fahrerraum zu stark aufgedreht ist. Also Mädels: lasst die Jacke an!
  4. Thermostat im Patientenraum prüfen.
    • Bei manchen Fahrzeugen, z.B. der Firma Strobel, ist der Thermostat im Patientenraum auf 24 ºC voreingestellt; die Temperatur lässt sich zwar verstellen, sie springt aber nach einiger Zeit wieder zurück auf die Werkseinstellung.
    • Thermostat bedeutet, dass die Heizung abschaltet, wenn die gewählte Temperatur erreicht ist, weshalb es daher Sinn macht, den Thermostat deutlich über 28 ºC einzustellen.
  5. Türen geschlossen halten.
    • Wir wollen das Fahrzeug heizen und nicht den Planeten. Außerdem wäre es schön in der Klinik zu sein, bevor es wieder 28 ºC Außentemperatur hat.

Jetzt haben wir unser erstes Etappenziel erreicht: unser Patientenraum ist spätestens dann, wenn wir unseren Patienten in den RTW bringen, ausreichend geheizt.

Jetzt passiert oft Folgendes: wir öffnen die Hecktüre, um den Patienten in den RTW einzuladen, gleichzeitig öffnet jemand die seitliche Türe um einzusteigen oder Material zu verladen, und das Auto ist kalt.

Was ist geschehen?

In dem Moment, in dem wir beide Türen zum Patientenraum öffnen, machen wir etwas, das wir zu Hause „Stoßlüften“ nennen. Wir erzeugen einen Durchzug und die mühsam gewärmte Luft ist weg. Je nach Fahrzeugausbau, dauert es nun, unter Umständen, Ewigkeiten, bis der Patientenraum wieder warm ist.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn wir haben hier einen Temperaturunterschied, der ausgeglichen werden möchte. Wie bei der Diffusion (Teilchen aus Bereichen hoher Konzentration in Bereiche mit niedriger Konzentration wandern), so möchte auch die Luft den Unterschied zwischen warm und kalt ins Gleichgewicht bringen. Da draußen, im Vergleich zum Patientenraum, nahezu unendlich viel kalte Luft vorhanden ist, stellt sich auch nicht die Frage, wer gewinnt. Reißt man beide Türen gleichzeitig auf, ist der Patientenraum sofort kalt.

Ob dieser Temperaturausgleich nun schnell oder langsam vonstattengeht, kann man durchaus leicht beeinflussen. Es ist so einfach, dass man sich fragt, warum es nicht alle so machen. Wahrscheinlich ist es so einfach, dass niemand darüber nachdenkt.

Öffnet man nur eine Seite, also entweder die Seitentüre oder die Hecktüren, so kann die warme Luft nicht sofort hinaus und die kalte Luft nicht gleich herein. Da sowohl im Patientenraum, wie auch draußen etwa der gleiche atmosphärische Druck herrscht, müsste die warme Luft einen Unterdruck im RTW hinterlassen, damit die kalte Luft hinein kann. Man denke hier an den Versuch eine volle Wasserflasche auszuleeren. Für jeden Schluck Wasser, der hinausfließt, werden Luftblasen blubbernd in die Flasche hineingezogen.

So ähnlich ist es auch in unserem Beispiel: da der Patientenraum zu drei (eigentlich fünf) Seiten geschlossen ist, müssen sich warme und kalte Luftteilchen aneinander vorbeidrücken, der Temperaturausgleich geht dadurch wiederum deutlich langsamer vonstatten.

Bitte versteht es nun nicht falsch: natürlich, wenn wir in einem Raum, mit einer Grundfläche von 3,5 m x 2,5 m, ein Garagentor öffnen, dann ist die warme Luft ziemlich schnell weg, aber es reicht um den Patienten einzuladen und um anschließend an der Seite einzusteigen, ohne das Fahrzeug völlig auszukühlen.

Wir haben also unseren geheizten RTW und der Patient liegt auf der Trage bereit zum Einladen. Wir öffnen die Hecktüre und laden zuerst den Patienten ein, evtl. steigt einer mit ein, um den Augenblick, in dem der Patient alleine im RTW wäre, zu vermeiden.

Erst wenn die Hecktüre wieder verschlossen ist, wird die Seitentüre geöffnet, keinen Augenblick vorher. Nun können wir an der Seite einsteigen und Material versorgen und natürlich rasch auch diese Türe wieder schließen. Ihr werdet feststellen: im Patientenraum bleibt es wärmer und es wird auch schneller wieder warm.

Dieses Wissen können wir ebenfalls auf den Sommer übertragen: wenn es schön heiß ist, können wir das Fahrzeug auf die gleiche Weise kühl halten!

Mit ein wenig Umsicht bei der Arbeit, können wir einen großen Unterschied machen und ein gutes Raumklima für unseren evtl. kritisch kranken Patienten machen.

Übrigens macht es nach dem Einsatz Sinn, alle Türen aufzureißen und das Fahrzeug zu lüften. Das gilt nicht erst seit COVID-19, sondern ein Großteil der Viren und Bakterien, die gerne in der Luft rumhängen, lassen sich so der Tür verweisen.

Abschließend sei noch gesagt, dass oft die Haltung vertreten wird, man müsse bei Infektionsfahrten das Gebläse und die Heizung ganz auslassen. Hierzu gibt es sogar mancherorts Dienstanweisungen.

Ich finde, hier muss man die Frage stellen, ob ein kranker Mensch, der sich in unsere Obhut begeben muss, nicht zusätzlich Schaden nimmt, wenn man bei kalten oder eben heißen Temperaturen nicht für ein entsprchendes Klima im Patientenraum sorgt.

Ein praktischer Ansatz wäre dafür zu sorgen, dass der Luftstrom der Heizung oder der Klimaanlage nicht ausgeht, indem man das Thermostat entsprechend reguliert. So können keine Airreger in die Lüftungungsanlagen gelangen. Ein weiterer Schritt wäre, während dem Transport, ein Fenster offen zu lassen, um einen Luftaustausch im Patientenraum zu erzeugen – ich würde behaupten, dass der Luftaustausch besser ist, als stehende ungeheizte oder ungekühlte Luft.

Fazit:

Mit einfachen Maßnahmen lässt sich die Temperatur im Patientenraum gut steuern. Wir müssen nur ein wenig vorausschauend arbeiten und uns merken: „entweder – oder“; entweder die Hecktüre öffnen oder die Seitentüre.

Eine kleine Wutrede zu diesem Thema könnt ihr euch hier anhören 😉